Notburga Museum

Das Notburga-Museum ist vom 1. November bis 1. Mai geschlossen.

Führungen zu anderen Terminen sind  nach telefonischer Anmeldung natürlich möglich.

Tel.: +43 - 664 - 3914186
info@notburga-museum.at

oder

Pfarramt St. Notburga  Tel.: +43/5243/5227 -                                                                 MI von 17:00 - 19:00 oder  FR von 09:00 - 11:00       

 

 Notburga - Gedenkjahr

Im Jahr 2013  feierten wir "700 Jahre St. Notburga".  Das Notburga-Gedenkjahr stand unter dem Leitwort „Dien-Mut“. Die Heilige Notburga ist im Raum Tirol und Südbayern eine viel verehrte Volksheilige.

 

Museumstour: Unsere Schauräume

Die ältesten Dokumente und die Legende

Raum 1

Überlieferte Biographie: geboren 1265 als Tochter eines Hutmachers in der Stadt Rattenberg, höfische Dienstmagd auf der Rottenburg, oberhalb von Rothholz/Buch bei Jenbach, Bauernmagd in Eben, Rückkehr und Tod auf Rottenburg, Überführung des Sarges und Begräbnis in Eben.

Zeitlebens bemühte sich Notburga um die Armen, die Behinderten und die unheilbar Kranken. Sie brachte ihnen Brot und Wein. Als Bauernmagd setzte sie sich für das Einhalten der Arbeitszeit ein.

Urkundlich ist Notburga nicht fassbar - wohl, weil sie eine Dienstmagd war. Dienstboten besaßen abgesehen von dem, was sie am Körper trugen, praktisch nichts. Sie schienen weder als Zeugen noch als Handelnde in Verträgen auf.

Diese Urkunde aus dem Jahre 1434 (Urkunde der KapellenweihePergament, 1434, Siegel verloren, 23,2 x 16 cm, Inv.-Nr. 79) ist die älteste erhaltene schriftliche Nachricht über die hl. Notburga. Im Jahr 1434 wurde die Notburgakapelle in Eben geweiht.

Das Patrozinium lautete auf Sigmund und den Salzheiligen Rupert, was wohl mit der Lage der Kapelle an der ehemaligen Salzstraße zu tun hat. Notburga konnte rechtlich nicht als Kirchenpatronin fungieren, weil sie keine kanonisierte Heilige war.


 

 

Notburga-Wallfahrt- und Prozessionen

Raum 2 - Volksfömmigkeit und Heiligenkult

Wann die Verehrung Notburgas einsetzte, konnte bisher nicht ermittelt werden. In der ehemaligen Schalserkapelle in Jenbach sah man Mitte des 18. Jhs. häufig Mineralien vor dem Bild der Notburga liegen. Die Bergknappen opferten ihr, wenn sie Erzadern gefunden hatten, besonders schöne Steine („Kristalle„). Als Heilmittel gegen Tierkrankheiten diente die Erde, in der Nähe von Notburgas Grab.

Nach der Exhumierung 1718 wollte man den „heiligen Leib„ für alle Pilger, Wallfahrer und Gläubigen sichtbar aufstellen. Das entsprach dem mit der theatralischen Festtagskultur des Barock verbundenen Schaubedürfnis, und sollte einen neuen Akzent in der Wallfahrt setzen.

Erlaubte die christliche Ethik die Präsentation eines stehenden Skelettes am Hochaltar? Theologen und Juristen prüften den ungewöhnlichen Fall. 1735 bewilligte der Bischof von Brixen die Aufstellung der Ganzkörperreliquie dieser nicht-kanonisierten Volksheiligen.

Seit dem Konzil von Trient (1545-1563) wurde die Verehrung neuer Heiliger oder Reliquien zwar propagiert, aber auch strengeren Regeln unterworfen. Martin Luther hatte sich gegen die Reliquienverehrung ausgesprochen und damit auch die katholische Kirche veranlasst, neue Maßstäbe zu setzen.

 

Brotspende Notburgas

Raum 2 - Die Brotspende Notburgas

Brotspende
Brotspende
Die Brotspende Notburgas an einen Bettler zeigt in der Nebenszene das Ochsenwunder, im Hintergrund eine weite Flusslandschaft mit Siedlung, sowie (Rotten)Burg und Kirche (in Eben) auf gegenüberliegenden Felsen.

Von wenigen Details abgesehen, folgt die Darstellung dem Vorbild eines Stiches von Raphael Sadeler d. J., der 1627 in der Bavaria Sancta, dem bayrischen Heiligenlexikon, veröffentlicht wurde.

Der Holländer Sadeler hatte die Tirolische Landschaft nach seinen Vorstellungen entworfen. Es mutet wie eine Ironie an, dass diese Konzeption in Augsburg und sogar in Tirol wiederholt wurde.

Der Kupferstich der Augsburger Brüder Josef Sebastian und Johann Baptist Klauber wurde als Gebetszettel gedruckt. Die Bezeichnung „sc.„ (sculpsit = stach) weist auf die Brüder Klauber als Stecher hin, ein Hinweis „invenit„ auf die damals bereits über hundert Jahre alte Bilderfindung des R. Sadeler fehlt.

Wallfahrtsbild

Raum 2

Wandbild
Wandbild
Die Darstellung des Lebens der hl. Notburga, orientiert am Vorbild des Kupferstiches von Andreas Spengler, ist um die Szene der Exhumierung, erweitert. Vermutlich ließ ein Nachkomme des Hoffischers Abraham Prantl in Erinnerung an die Ereignisse von 1718 die Bilderfolge malen.

Der zweizeilige Text innerhalb des unteren Mittelbildes erwähnt die Auffindung des Skelettes (1718) in der St. Rupert Kapelle in Anwesenheit eines gewissen Abraham Prantl, der um diese Zeit Hoffischer in der Pertisau war. Dieser Posten im landesfürstlichen Dienst brachte ihm nicht nur ein regelmäßiges Einkommen, sondern auch eine gewisse öffentliche Position ein. Prantl ist daher auch in verschiedenen Quellen genannt.

Die Zeilen am oberen und unteren Bildrand in zeitloser Votivbild-Schrift mit roten Akzenten geben einen Hinweis auf die Datierung (“wo sich diese Geschichte über 600 Jahre erhalten hat“) und informieren über den Zweck des Bildes.

Der Textanfang (links oben) EXVOTO bedeutet, dass der Auftrag für dieses Bild auf einem Gelübde basiert. Es dürfte sich hier also um eine versprochene, fromme Stiftung handeln, deren Zweck, wie am unteren Bildrand zu lesen, die Förderung der Wallfahrt ist.

Ferner enthält der Text Empfehlungen für ein tadelloses Leben, das zur Heiligkeit führt, aus dem Munde Notburgas. Auch wird ihre Herkunft, aus dem „ältesten Rattenberger Bürgerhaus", jenem des Hutmachermeisters Schiestl erwähnt, wo sie bis zu ihrem 19. Lebensjahr, also bis zum Dienstantritt auf der Rottenburg lebte. Gemäß der damaligen Sozialstruktur wäre es einer Bürgerstochter normalerweise offengestanden - mit ausreichender Mitgift bedacht – eine standesgemäße Ehe einzugehen und somit existenziell abgesichert zu sein.

Barocke Pracht für St. Notburga

Raum 3 - Heiligenverehrung ohne Heilige?

Zweimal bemühte man sich um die Heiligsprechung Notburgas. Im Vatikan ist dafür eine Reihe von Dokumenten vorzulegen, deren wichtigstes der urkundliche Nachweis vom Leben der betreffenden Person ist.

Aber man fand keine Urkunde, die bestätigte, dass Notburga gelebt hatte. Nun (1602) konnte nur noch die Öffnung des Grabes Aufschluss darüber geben. Die Kirche untersagte vorerst die Störung der Totenruhe, erteilte aber 1718 doch die Genehmigung zur Exhumierung.

Der Skelettfund schien die Legende zu bestätigen. Bei Grabungen (1718) hatte man außerdem Fragmente von Frauenkleidern und einen Koriandergürtel gefunden.

Aufmerksamkeit verdienen die Kommentare über die Rolle des Skelettes anlässlich der letzten Kirchenrestaurierung 1988-1992. Während der Landeskonservator von Tirol von einer aufwendigen Restaurierung spricht, liest man in einer anderen Publikation, dass das Anatomische Institut der Medizinischen Universität Innsbruck eine Untersuchung durchgeführt hätte, bei der man festgestellt habe, dass es sich um das Skelett einer Frau, aus dem 14. Jh. handle.

Eine genaue Datierung mittels C14-Methode wäre von der Kirche untersagt worden, weil dafür Knochenteilchen verwendet werden. Sogar Gerüchte, es sei ein männliches Skelett kamen in Umlauf. Dazu befragt teilte der Vorstand des betreffenden Institutes sinngemäß folgendes mit: Der Auftrag lautete auf Restaurierung nicht Datierung.

Ferner wurde festgehalten, welche Teile aus Knochenmaterial bestanden und was aus Holz ergänzt war. Obwohl ein großer Teil des Beckens fehlte (Beckenknochen dienen zur Geschlechtsbestimmung), konnte man anhand der Knochenbeschaffenheit mit hoher Wahrscheinlichkeit auf ein weibliches Skelett schließen.

Zur Heiligsprechung kam es dennoch nicht.

Papst Pius IX. verwies lediglich auf ein Dekret von 1625, das die Verehrung von weder heilig-noch selig-gesprochenen Personen verbot. Zu diesem Dekret gab es aber ein Breve zur Regelung von Ausnahmefällen. Es musste also ein Nachweis erbracht werden, dass der Kult seit jeher bestand.

Der Jesuit Johannes Perierus hatte alle Unterlagen gesammelt und 1754 in der „Acta Sanctae Notburgae„ veröffentlicht. So wurde am 27. März 1862 die Verehrung der Dienstmagd Notburga vom Vatikan gebilligt und für weitere Zukunft erlaubt, was de facto einer Heiligsprechung gleichkam.

 

Notburga mit Flammenherz

Raum 3

Hier handelt es sich um eine ehemalige Altarfigur aus der Schalserkapelle in Jenbach. Seit dem Spätmittelalter, besonders aber im Barock und Rokoko kommt das Flammenherz – Zeichen der Liebe zu Gott - als Attribut vieler Heiliger vor.

Silberne und goldene Herzen waren auch als Opfergaben an Maria und Jesus in der Volksfrömmigkeit gebräuchlich.Die barocke Legendenfassung betont Notburgas Frömmigkeit. Dennoch gibt es wenige Notburgadarstellungen mit Flammenherz.

Die Heilige in allen Nöten des Lebens

Raum 4 - Heilige als Helfer in ausweglosen Situationen

Das Alltagsleben der bäuerlichen Bevölkerung Österreichs stand in enger Verbindung mit der katholischen Religion. Man begann und beendete den Tag mit einem Gebet, lebte in Gottesfurcht, aber auch mit dem göttlichen Trost.

Heilige stellten gewissermaßen das Verbindungsglied zwischen dem Irdischen und dem Göttlichen dar. Familiärer, vertrauter und greifbarer als die Dreifaltigkeit, waren sie Adressaten in jenen Nöten, die man nicht wagte, dem Allmächtigen vorzutragen. Der Votant (“votum“ - lateinisch: das gelobte Opfer, spätlateinisch: Wallfahrt) legte gewissermaßen sein Schicksal in die Hand des Heiligen und empfand Erleichterung durch das Abgeben der Verantwortung.

Die Heilige der kleinen Leute

Raum 4

Mehr als 20.000 katholische Heilige teilten - in Fortführung des römischen Vielgöttersystems - die Zuständigkeitsbereiche unter sich auf. Die Verknüpfung römisch-antiker, räthischer und christlicher Religionspraktiken im Alpenraum resultierte vermutlich aus dem langjährigen Nebeneinander der Religionen (15 v. Chr. ~ 400 n. Chr.). Die reformatorischen Kirchen kennen Heilige als Zeugen der Wirksamkeit der göttlichen Gnade (z. B. Augustinus), lehnen aber die Heiligenverehrung ab.


Minorities always rule (Es herrschen immer Minderheiten). Die breite Basis der Recht- und Mittellosen besaß weder im Landtag noch in der Kirche eine Vertretung. Selbst die Idole der damaligen Zeit – die Heiligen - entstammten höheren sozialen Klassen. Mit Notburga, ebenso wie Gunthildis, Radegundis und Zita, entwickelten sich erstmals Leitbilder aus der Unterschicht.

 

Gelebter Glaube, Zeugnisse der Volksfrömmigkeit

Raum 5

Diese Exponate zeigen die Liebe und Verehrung der Menschen rund um den Achensee zu "Ihrer" Heiligen. Ob Notburga mit schwebender Sichel in Öl auf Leinwand gemalt aus dem 19.Jh. oder Notburga als Bauernheilige mit Sichel und Rechen, von einém behinderten Künstler im 21 Jh. aus Ton modelliert, alle hier ausgestellten Objekte künden von der tiefen Zuneigung der Menschen jeden Alters, die der standhaften Frau zu allen Zeiten zuteil wurde.Ungebrochen ist ihre Vorbildwirkung bis heute.

700 Jahre St. Notburga

Wie sehr die Verbundenheit der Bevölkerung mit ihrer Volksheiligen noch immer besteht, wird im Gedenkjahr 700. Todestag der Heiligen offenkundig. Spontan wurden dem Museum Notburga Darstellungen als Leihgaben sowie ein altes Relief und eine Vita aus dem 18. Jh. als Geschenke zur Verfügung gestellt.

Zur Präsentation dieser Kostbarkeiten wurde die Bibliothek als Museumsraum eingerichtet. Sie umfasst theologische Literatur und religiöse Schriften. Die Ölgemälde aus dem 18. Jh. zeigen Stillleben und die beiden Kirchenlehrer Thomas von Aquin und Katharina von Siena.

Die neuesten Untersuchungen zum Bau der wunderschönen Barockkirche
ergaben, dass die verwendeten Steine aus der näheren Umgebung stammen.
Eine interessante Veranschaulichung dieser Gesteine und ihre Verwendung
wird auf einem Schaupult gezeigt.

Ein wunderschönes Ölbild der Hl. Notburga verleiht dem Raum eine besondere Ausstrahlung.

 




 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Museums Fotos

Museum

im ehemaligen Pfarrhof aus der 1. Hälfte des 18.Jhs.
Foto: Stefan Heim

Ausstellungsraum im Notburga Museum

Barockgemälde und Rokokoskulpturen.

Der durch die Ausgrabung des Notburga-Skelettes bedingte Höhepunkt des Notburga-Kultes führte zu zahlreichen Stiftungen für die Notburga-Kirche. Aus dieser Zeit stammen:
Mitte: Notburgas Brotspende an einen Bettler, um 1725-50
Links: Hl. Notburga mit Flammenherz, 2. Hälfte des 18.Jhs.
Rechts: Maria Immaculata und Hl. Josef, um 1750-70
Foto: Stefan Heim

Prozessionsfahne

Jugendstil, 1916

Notburga mit Ähren, Schlüsselbund und Sichel (den typischen Attributen)
Foto: Stefan Heim

Notburga - einfache Magd

Öl auf Holz um 1900