Ein Gotteshaus mit zwei Priesterhäusern

Die Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Notburga in Eben am Achensee gehört zu den schönsten Barockbauten Tirols. Mit dem Mesnerhaus (Pfarramt) und dem Widum (Museum) bildet sie ein Ensemble.

Bild auf der Fassade der Kirche in Eben
Bild auf der Fassade der Kirche in Eben
Die Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Notburga

1736-38 wurde die barocke Kirche unter Einbeziehung des Presbyteriums und des Turmes der gotischen Kapelle von 1508 erbaut. Johann Anton Ignaz von Tannenberg war in den Grafenstand erhoben worden und dokumentierte seine neue Würde durch ein entsprechendes Bauvorhaben. Engagement für die Notburga-Verehrung war bei den Tannenbergs gewissermaßen  Familientradition. Zur Vorbesprechung des Bauprojektes sandte der Graf 1735 seinen Polier nach Eben. Das für den Kirchenbau verwendete Steinmaterial stammt neuesten Untersuchungen zufolge aus der Region.

Bei der Einweihung der Kirche wurde die neu eingekleidete Skelettfigur der hl. Notburga am Hochaltar aufgestellt, wo sie sich noch heute befindet.

Widum groß
Widum groß
Der Widum (Pfarrhof, heute: Museum)

Wie überall übte auch in Eben die öffentliche Aufstellung der Reliquie zur Verehrung enorme Anziehungskraft auf die Gläubigen aus. Die Spendeneinnahmen erreichten Rekordhöhe. Der Wallfahrtsboom bedingte wiederum einen größeren Personalaufwand.

1739 befanden sich drei Priester in Eben. Man entschloss sich daher, ein großes Pfarrhaus zu errichten. Ein Bauplan existiert nicht. Die Vermutung liegt nahe, dass der Tannenberg´sche Polier sich nicht nur um die Kirche, sondern auch um die Planung und Bauausführung des Widums gekümmert hat. In den Rechnungsbüchern scheinen keinerlei Ausgaben für die Planung auf. Wohl aber enthalten sie Materialrechnungen, Löhne der beschäftigten Hilfsarbeiter und die Kosten für die Arbeit der Professionisten. Gemäß den Rechnungen handelt es sich um ein Mischmauerwerk aus Stein und Ziegeln, das aber bisher nicht näher untersucht worden ist. Auch mehrere Öfen sind dokumentiert.

Das heutige Erscheinungsbild des Widums (Museum) geht auf die Jahre 1739-43 zurück. Gut erkennbar ist das barocke Gestaltungsprinzip mit geschwungenem Blendgiebel, einheitlichen Fensterfluchten, hellen Durchgangszimmern, Stuckdecken und barocker Farbgebung. Auch die Einrichtung der Bibliothek steht ganz in der Tradition des Barock. Von den Niederlanden ausgehend wurden Blumenstillleben bald in ganz Europa populär. Darüber befinden sich die Ölgemälde mit Darstellung der Kirchenlehrer Thomas von Aquin und Katharina von Siena.

Der Widumsbau ist kein gänzlicher Neubau. Ein weitaus kleineres, aber unterkellertes Haus (1699-1710) wurde in den spätbarocken Bau integriert. Dieses Priesterhaus bestand aus zwei Räumen mit Kreuzgratgewölbe, die heute im Nordosten des Erdgeschoßes gelegen als Werkstatt und Sitzungsraum fungieren. Im Keller befand sich eine unterirdische „Wasserstube" (Brunnen).

Das Mesnerhaus (heute: Pfarramt)

Als ältestes Priesterhaus der Pfarre St. Notburga gilt der heute als Mesnerhaus bezeichnete, im Kern gotische Bau mit hölzernem Söller westlich der Kirche. Zur besseren Betreuung der Wallfahrer kaufte man 1474 das Grundstück neben dem „gotzhaws zw sannd Noppburg" und errichtete darauf ein „briesterhaws". Damit wurde im ausgehenden Mittelalter die wirtschaftliche Basis für einen ständigen Priester in Eben geschaffen. Zum Anwesen gehörten ein Badhaus, ein Kuhstall und Wirtschaftsgebäude.

Die Pfarre St. Notburga

steht bis heute im Zentrum der Notburga-Verehrung. Seit dem Mittelalter erfreut sich das Gotteshaus in Eben zahlreicher Zuwendungen durch landesfürstliche Stiftungen, Beiträge der Gläubigen, darunter Kälber, Eier, Flachs oder Schmalz fürs Ewige Licht sowie in jüngster Zeit Geschenke an das Museum. Kunstwerke kamen aber nicht nur als Schenkungen in den Besitz der Pfarre, sondern wurden auch in Auftrag gegeben bzw. werden heute gezielt angekauft.