Notburga-Wallfahrt- und Prozessionen

Raum 2 - Volksfömmigkeit und Heiligenkult

Wann die Verehrung Notburgas einsetzte, konnte bisher nicht ermittelt werden. In der ehemaligen Schalserkapelle in Jenbach sah man Mitte des 18. Jhs. häufig Mineralien vor dem Bild der Notburga liegen. Die Bergknappen opferten ihr, wenn sie Erzadern gefunden hatten, besonders schöne Steine („Kristalle„). Als Heilmittel gegen Tierkrankheiten diente die Erde, in der Nähe von Notburgas Grab.

Nach der Exhumierung 1718 wollte man den „heiligen Leib„ für alle Pilger, Wallfahrer und Gläubigen sichtbar aufstellen. Das entsprach dem mit der theatralischen Festtagskultur des Barock verbundenen Schaubedürfnis, und sollte einen neuen Akzent in der Wallfahrt setzen.

Erlaubte die christliche Ethik die Präsentation eines stehenden Skelettes am Hochaltar? Theologen und Juristen prüften den ungewöhnlichen Fall. 1735 bewilligte der Bischof von Brixen die Aufstellung der Ganzkörperreliquie dieser nicht-kanonisierten Volksheiligen.

Seit dem Konzil von Trient (1545-1563) wurde die Verehrung neuer Heiliger oder Reliquien zwar propagiert, aber auch strengeren Regeln unterworfen. Martin Luther hatte sich gegen die Reliquienverehrung ausgesprochen und damit auch die katholische Kirche veranlasst, neue Maßstäbe zu setzen.